Eine Frau boxt sich durch – Der harte Weg zum Titel

Weltmeisterin Maria Lindberg hat sich ihren Weg zum Weltmeistertitel wahrlich erkämpft.

Hamburg. (bmd) Um Schicksalsschläge und Durchhaltevermögen ging es beim Vortrag von der zweifachen Boxweltmeisterin Maria Lindberg in der Boxhalle am Marschweg. Es gibt immer einen Weg, aus dem Tief herauszukommen – entscheidend ist die eigene Einstellung und das Verhalten, so Lindberg. Aufgeben gibt es bei der starken Frau nicht.

Das Spannende an der Geschichte der 1,68 Meter großen und 69 Kilogramm schweren Leistungssportlerin Maria Lindberg waren nicht so sehr ihre Titel, die sie sich erkämpft hat, sondern der steinige Weg, den sie beschreiten musste, um ihren Traum vom Boxen zu verwirklichen zu können.

Dabei ist die studierte Chemieingenieurin erst mit 19 Jahren durch Zufall zum Boxen gekommen. Eine Studienfreundin nahm sie zu einem Probetraining zum Fitnessboxen mit. „Für mich war das körperliches Training ein willkommener Ausgleich, um das enorme Pensum beim Studium durchzuhalten“, erzählt die sympathische Schwedin. Schon nach kurzer Zeit war der Studentin klar, „Boxen ist mein Ding“.

Starke Verletzung bedeutete das Aus

Doch als Lindberg die schwedische Lizenz bekam und in die Nationalmannschaft aufgenommen wurde, war Frauenboxen in dem skandinavischen Land überhaupt nicht populär. „Meine Landsleute sahen es überhaupt nicht gern, dass Frauen boxen,“ erinnert sie sich. Als sie nach erst einjähriger Boxkarriere bei einem Kampf in Finnland mit einer Gehirnblutung zusammenbrach, wurde sie in Schweden vom Amateurverband lebenslang gesperrt. „Dass man nach einem derart schwerwiegenden Ereignis nicht mehr boxen sollte, ist eigentlich jedem vernünftigen Menschen klar,“ weiß auch Lindberg.

Ein Plan B, C und D musste her

Doch sie wollte sich damit nicht abfinden. Nach umfangreichen ärztlichen Untersuchungen war ein Folgeschaden nicht zu erkennen. So trainierte sie weiter als sei nichts geschehen. Sie bewarb sich um Profilizenzen in verschiedenen Ländern. Doch alle winkten ab, sobald ihr Unfall bekannt wurde. An dieser Stelle empfahl sie ihren Zuhörern. „Entscheiden sie sich, ob sie ein unmöglich erscheinendes Ziel wirklich erreichen wollen, dann hinterfragen Sie sich ehrlich und versuchen nicht, einfache Lösungen zu finden, die Ihnen nicht weiterhelfen.“ Es gebe ja oftmals diese Standardempfehlung des Planes B, den man haben sollte. „Das Alphabet hat aber 26 Buchstaben, also warum prüfen Sie nicht Plan C, D oder E?“, empfahl die Sportlerin.

Anschaulich schildert die Boxerin, was sie alles im Laufe von zehn Jahren unternahm, um endlich wieder in den Ring steigen zu dürfen. Sie boxte auch in Ländern, in denen die Regeln nicht so streng sind, doch die Schweden „spuckten Lindberg immer wieder die Suppe,“ sobald sie von ihren Aktivitäten erfuhren. Zudem nutzten manche Promotoren ihr Schattendasein finanziell aus.

Profi-Lizenz in Sicht

Da hörte sie vom Hamburger Boxstall „Universum Box-Promotion“. Sie kam ohne irgendeine Zusage nach Hamburg. Strotzend vor Selbstbewusstsein erklärte sie den Verantwortlichen, welch eine gute Boxerin sie sei. Universum nahm sich ihres „Falles“ an und gab der jungen Frau die Chance; Sparringspartnerin der ehemaligen Weltmeisterin Natascha Ragosina zu sein. „Diese Frau ist 13 Zentimeter größer als ich und brachte damals zehn Kilogramm mehr auf die Waage. Uns trennten im Boxsport Welten,“ schmunzelt Lindberg. „Doch hier tat sich für mich eine Tür auf und ich schritt hinein“. Das Sparring war wohl so erfolgreich, dass Maria Lindberg noch viermal von der russischen Boxerin gebucht wurde. Nun prüfte Universum die Schwedin „auf Herz und Nieren“ und beantragte beim deutschen Boxsportverband eine Profi-Lizenz, die Lindberg dann auch bekam.

Wieder wollte der schwedische Verband durch einen Einspruch seine Landsmännin verhindern, ohne Erfolg. „Ich schlüpfte nicht in die Opferrolle, sondern habe weiter agiert,“ erzählt sie, was besonders bei den anwesenden Zuhörerinnen wohlwollend aufgenommen wurde. „Die Frau gefällt mir“, schwärmte Karin Jahnke, die mit ihrem Mann Martin die Veranstaltung mitorganisierte. Was dann kam, klingt wie ein Märchen: Lindberg wurde dreimal Weltmeister. Zwei Titel bestehen, einen hat sie nicht verteidigt.

Nicht entmutigen lassen

Von insgesamt 21 Kämpfen hat die Schwedin 16 gewonnen, drei verloren und zwei Kämpfe endeten mit einem Unentschieden. „Leben Sie ihren Traum, lassen sie sich durch nichts auf der Welt entmutigen“, rät sie ihren Zuhörern. „Aushalten, Durchhalten, Weitermachen“ ist die Philosophie der Schwedin, die in Hamburg eine Frauen-Fitnessgruppe, zwei Mixed-Gruppen und aufstrebende Amateur-Boxer trainiert.

Am 25. Mai kämpft Maria Lindberg in Warschau um einen weiteren Weltmeistertitel. Die rund 50 Gäste in der Kaltenkirchener Boxhalle bekundeten ihre Zustimmung mit tosendem Beifall.

Der Wille zum Sieg vereint sie: Maria Lindberg und dieKaltenkirchener Nachwuchstalente Anatol Belescu (re.) und Razmik Sargsyan. Sargsyan ist Schleswig-Holsteinischer Landesmeister und belegt in Deutschland den dritten Platz in der Klasse „Leichtgewicht“. Foto: bmd