Faszination Kalkberg

Harald Wieczorek hält sich zwischen den Vorstellungen im Freilichttheater mit Schwimmen im Großen Segeberger See fit. Foto: mtr

Bad Segeberg. (MTR) Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg begeistert die Massen. Einer, der dazu beiträgt, ist Harald Wieczorek. Der 70-Jährige ist seit 1979 am Kalkberg in verschiedenen Rollen zu sehen und ist damit dienstältester Darsteller.

„Es ist immer ein Abenteuer – wie ein Spielplatz für Erwachsene“, sagt Harald Wieczorek über sein erneutes Engagement bei dem Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. Der Schauspieler hat den Kalkberg ins Herz geschlossen und freut sich, dass es immer noch Rollen für ihn gibt.

Das erste Engagement bei den Karl-May-Spielen entstand beinahe zufällig. Auf gut Glück fragte der junge Absolvent der Stuttgarter Schauspielschule in Bad Segeberg an, ob im Ensemble noch ein Platz für ihn wäre. „Eigentlich waren alle Rollen besetzt“, erinnert sich Wieczorek. Doch er könne ja mal vorbeischauen und sich vorstellen, wurde ihm mitgeteilt. Wieczorek durfte vorreiten und wurde für eine Nebenrolle engagiert. Viele weitere sollten bis heute folgen.

Der gebürtige Franke hat in seiner Zeit am Kalkberg auch Rückschläge erlebt. Nachdem Harald Wieczorek 1984 in „Unter Geiern“ den Mandan-Krieger Wokadeh gespielt hatte, bekam der durchtrainierte Schauspieler 1985 die Titelrolle in „Der Ölprinz“. Der Todessprung vom Ölturm wurde ihm fast zum Verhängnis. Bei der Generalprobe kam es zum schwersten Unfall in der Geschichte der Karl-May-Spiele. Eine Explosion löste sich zu früh und Wieczorek stürzte inmitten der Flammen in die Tiefe. Dank der peniblen Vorbereitung auf den gefährlichen Stunt konnte er verhindern, auf der Kante des kleinen Wasserbeckens aufzuschlagen. Dennoch lag Wieczorek nach dem Unglück drei Wochen im Krankenhaus. Doch der Hartgesottene ließ es sich nicht nehmen, als Ölprinz noch in derselben Saison auf die Bühne zurückzukehren – inklusive des Sprungs, der ihn fast das Leben kostete.

Mal für, mal gegen Winnetou

Aufgrund verschiedener Engagements bei Theaterproduktionen in ganz Deutschland legte Wieczorek immer mal wieder eine Karl-May-Pause ein.

Doch die Faszination Kalkberg ließ ihn nie wirklich los. Immer, wenn es möglich war und Bad Segeberg lockte, folgte Wieczorek Winnetous Ruf, mit oder gegen ihn zu kämpfen. Oft trat Wieczorek sogar – wie in dieser Spielzeit – in mehreren Rollen auf. Der Zusammenhalt sei das, was die Arbeit am Kalkberg so besonders mache. „Hier sind Verbindungen fürs Leben entstanden“, sagt Wieczorek. An anderen Theatern sei das Verhältnis eher kollegial. „In Bad Segeberg gehören wir zu einer großen Familie. Es ist mir sehr wichtig, ein Teil davon zu sein.“ Von Winnetou bis hin zum Kleindarsteller werde diese Sucht gelebt. „Das ist das Außergewöhnliche.“

In dieser Saison ist Harald Wieczorek als gutmütiger Cantina-Wirt Don Geronimo, als würdevoller Mimbrenjo-Häuptling Nalgu Mokaschi und als arroganter Haciendero Don Timoteo Pruchillo zu sehen. Ob dies die letzten Auftritte des alten Haudegens sein werden, steht noch nicht fest. „Ich weiß genau, wann Schluss sein wird.“ Mehr will Wieczorek aber nicht verraten. „Der Abschied wird mir sehr schwer fallen.“