Frauen fordern faire Löhne und mehr Gerechtigkeit

Die Hauptinitiatorin des Bad Segeberger „Equal Pay Day“ Beate Mönkedieck (v.li.) und ihre Mistreiterinnen Nathalie Veith, Ursula Buss, Jutta Geiken, Daniela Willrodt, Wiebke Wilken und Silke Knuth informierten an ihrem Stand am Marktplatz über die Ungleichbehandlung von Frauen im Berufsleben im Vergleich zu Männern. Foto: ach

Bad Segeberg. (ACH) Frauen haben es im Berufsleben oft schwerer als Männer. Ihr Ziel, im Job und oft auch in der Bewältigung des Alltags ebenso erfolgreich zu sein wie Vertreter des angeblich starken Geschlechts, ist nicht ganz einfach zu erreichen – der Weg dahin ist oft mit einigen Steinen gepflastert. Das Spektrum der Ungleichbehandlung ist groß und beginnt schon bei der geringeren Bezahlung für die gleiche geleistete Arbeit in denselben Positionen. Aufklärungsarbeit über diese Missstände leisteten haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen aus verschiedenen Beratungsstellen für Frauen in der Kreisstadt während des sogenannten weltweiten „Equal Pay Day“ auf dem Marktplatz. Die Aktionen leiteten die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bad Segeberg, Beate Mönkedieck, und die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises, Dagmar Höppner-Reher.

Die Zahlen beweisen die Ungleichheit

Hinter dem englischen Begriff „Equal Pay Day“ verbirgt sich die Forderung von Arbeitnehmern nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Dies gelte besonders für die zunehmende Zahl von Leiharbeitern und schlecht bezahlten Frauen. Wie weit die Schere der unterschiedlichen Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche geleistete Arbeit im nördlichsten Bundesland auseinanderklafft, erklärte Beate Mönkedieck anhand von Quellenangaben der Bundesagentur für Arbeit. „Frauen erhalten im Durchschnitt in einem Vollzeitjob 2.607 Euro brutto, Männer für die gleiche Tätigkeit 3.360 Euro“, erklärte die Gleichstellungsbeauftragte. Auch bei der Besetzung in politischen Gremien oder Führungspositionen in der Kreisstadt und auch in anderen Städten und Kommunen gäbe es gravierende Unterschiede. Beate Mönkedieck: „Unter den 56 Mandatsträgern des Segeberger Kreistag sind nur 13 Frauen, in der Stadtvertretung Bad Segeberg nur fünf von 29 Mandatsträgern.“

Fair geht anders

Doch es gibt auch Ausnahmen von der Regel. Ein Beispiel hierfür ist Ute Thienel, Geschäftsführerin der Kalkberg GmbH. Mit einem Jahresgehalt von fast 80.000 Euro ist sie, gemessen im Vergleich zu ihren Geschlechtsgenossinnen, eine Spitzenverdienerin. Die Posten des Aufsichtsrats der Kalkberg GmbH sind jedoch ausschließlich von Männern besetzt. Für die 88-jährige Bad Segebergerin Inge Jakusch eine große Ungerechtigkeit: „Unternehmen sollten Frauen zumindest so viel Lohn zahlen, dass sie davon leben können. Die meisten bewältigen neben ihrer Arbeit auch noch den Haushalt und oft die Erziehung der Kinder.“ Doch nicht nur im Job, auch im privaten Umfeld sind Frauen oft schlechter gestellt als Männer. Das bestätigte Barbara Eibelshäuser, Sprecherin des Vereins Frauenzimmer, einer Anlaufstelle für in Not geratene Mädchen und Frauen. Einige ihrer Klientinnen hätten nicht einmal ein eigenes Bankkonto und müssten ihren Partner für jeden Cent um Erlaubnis bitten.