Ilja Richter gab Einblicke in das Leben seines Vaters im KZ

Geduldig beantwortete Ilja Richter die Fragen der beiden Moderatorinnen Kyra Baltrusch (rechts) und Karen Bartel. Foto: Alexander Christ

Kaltenkirchen (ACH) Als Moderator der von 1971 bis 1982 im ZDF ausgestrahlten Musiksendung „Disco“ erlangte Ilja Richter bei der Generation 50+ Kultstatus. Unvergessen sein Spruch „Licht aus! Spot an!“ Stets gut aufgelegt präsentierte der heute 65-jährige Schauspieler, Entertainer und Synchronsprecher ungezählte Stars und Sternchen und deren Songs einem Millionenpublikum. Weniger bekannt hingegen war lange Zeit die Geschichte seiner Familie, die eng mit der Kaltenkirchener Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme in Springhirsch verbunden ist. Dort war Richters Vater Georg, ein überzeugter Kommunist, von 1944 bis 1945 wegen seiner politischen Gesinnung inhaftiert. Im Neubau der Kaltenkirchener Waldorfschule berichtete er in einem offenen Dialog mit zwei Studentinnen der Europa-Universität Flensburg sowie den rund 100 anwesenden Zuhörern über dessen Zeit in KZ-Kaltenkirchen. „Mein Vater wurde bereits 1936 wegen angeblichen Hochverrats zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Haftzeit verlängerte sich wegen mehrerer fehlgeschlagener Fluchtversuche“, so Richter. Tägliche verbale und körperliche Übergriffe durch die Wachmannschaften der in Springhirsch inhaftierten Gefangenen hätten zum Alltag der Insassen gehört. „Doch es gab auch schöne Momente. „Mein Vater erzählte mir von den täglichen Gängen durch den dichten Wald bis zu seinem Arbeitsplatz. Er und andere Insassen wurden zum Bau der Verlängerung einer Landepiste eingeteilt. Die Wege hin und zurück in die Baracken des KZ durch den Wald haben ihm viel Kraft gegeben“, sagte Richter junior.