Mittelalterliche Handwerkskunst

Anneke Saalmann und ihr Sohn Tuure bewunderten Jochen Timmermann, der an seiner selbst gebauten Drechselmaschine Teller aus Baumscheiben anfertigte. FOTO: DSN

DALDORF. (DSN) Die Besucher im Erlebniswald Trappenkamp staunten nicht schlecht, als sie am Wochenende dort auf ein Zeltdorf stießen, das wie aus einem vergangenen Zeitalter aussah. 250 Mittelalterfans vom Projekt „Eisenwald“ hatten das Lager aufgebaut und gaben Einblicke in das Leben der Wickinger, Sachsen und Slawen vor etwa 1200 Jahren.

Bei „Krischan vom Fuchsvolk“ aus Schleswig durften die Brüder Jonas (6) und Linus (8) Christensen einmal Streitaxt, Schwert und Schild selbst in die Hand nehmen. „Cool“, fand Jonas das und wollte alles ganz genau wissen. Am liebsten hätte Linus gleich ein Kettenhemd angezogen, aber Krischan erklärte: „Beim Kämpfen ist ein zu großes Kettenhemd hinderlich.“ Und Schwerter seien seinerzeit nur etwas für Fürsten gewesen. „Ein Schwert war ganz teuer. Das konnte sich nicht jeder leisten.“

Auch die Handwerker gaben ihr Wissen weiter. Simone Schwagmann zeigte wie mittels Brettchen-Weberei Stirnbänder und Pferdegeschirr entstanden. „Damit wurde auch schon mal ein Auto abgeschleppt“, berichtete sie.

Die Menschen waren nicht dumm, betonte Jochen Timmermann, der an einer Drechselmaschine aus Balken, Zweigen und einigen Bändern Holzteller herstellte. Heutigen Zeitgenossen fiele es wohl schwer, ohne Strom Geschirr herzustellen oder in der Natur nach Essbarem zu suchen, vermutete er.

Im Waldhaus gab es Tipps von Experten wie Stephan Meinhardt, Leiter des Wallmuseums in Oldenburg. Wie sich die Soldaten Karls des Großen im Jahre 818 fühlten, probierten einige „Wächter im Eisenwald“ am Sonnabend aus. Sie patrouillierten an der Grenze von Karls Reich, dem Limes Saxoniae zwischen Bad Segebergs Ihlsee, Negernbötel und dem Erlebniswald und mussten Überfälle abwehren.

Im kommenden Jahr will das Projekt Eisenwald im Erlebniswald wieder eine große Schlacht bei Suentana darbieten.

Weitere Informationen gibt es online unter www.projekt-eisenwald.de