Pferdestammbuch: Körung und Schau in einem

Viele bunte Schaubilder sind für den Schaunachmittag in Vorbereitung. (Foto: Volker Hagemeister)

Ein gutes Pony muss für Sport und Freizeit viele Ansprüche erfüllen. Künftigen Vererbern, die den Anforderungen an ihre jeweilige Rasse in jeder Hinsicht gerecht werden, erteilt das  Pferdestammbuch SH/HH (PSB) in den Tagen vom 10. bis 12. Februar auf der Hengstkörung mit großem Schautag in den Holstenhallen von Neumünster die Zuchtzulassung.

Zu Deutschlands zahlenmäßig größter Ponykörung werden 90 dreijährige Hengste aus 17 Rassegruppen erwartet, 84 bewerben sich um die Zuchtzulassung, acht kommen zur Anerkennung. Anders als viele andere Verbände trifft das PSB keine Vorauswahl. „Auf Wunsch des Züchters kann ein Kandidat jedoch vorab begutachtet werden. „Am Ende sind wir froh über jeden Hengst, der uns vorgestellt wird“, erklärt  Zuchtleiterin Dr. Elisabeth Jensen. Während die Reitponys mit einem Anteil von 50 Prozent zahlenmäßig gut vertreten sind, und auch die Islandpferde zehn Vierbeiner im Lot haben, seien alle anderen Rassen seit einigen Jahren rückläufig. Für den Käufer, der ein leistungsfähiges und gleichzeitig artiges und größenmäßig passendes Pony oder Pferd wünscht gestaltet sich die Suche oft mühsam, „denn solche Vierbeiner sind im Moment schwer zu finden“, so Jensen.

Angemeldet sind unter anderem Shetlandponys, Fjordpferde, Schleswiger Kaltblüter und einige Welsh-Ponys, sowie New Forests, Pintos, je ein Friese, ein Connemara und ein Paso Peruano. Die dreitägige Veranstaltung beginnt am Freitag, 10. Februar, 8 Uhr mit dem Messen der Hengste. Die acht Hengste, die bereits in anderen Zuchtverbänden eingetragen sind, werden Sonnabend  – der Tag beginnt ebenfalls um 8 Uhr –  zur Anerkennung vorgestellt. Die übrigen Zuchthoffnungen stellen sich dann ihrer dritten Musterung, im Anschluss werden die Körurteile verkündet.

2016 trabt Habicht sich an die Spitze der Schleswiger Kaltblutpferde. (Foto: Volker Hagemann)

Beurteilt werden die Vierbeiner von der Körkommission des PSB. „Deren Mitglieder  werden jedes Jahr neu gewählt“, erklärt Jensen. Wie im Vorjahr wurden neben der Zuchtleiterin noch Carsten Dose aus Elmshorn, Inka Störmann-Thies aus Flethsee sowie Volker Hofmeister aus Hannover berufen. Hinzu kommen pro Rasse jeweils ein bis zwei Rassevertreter. „Die Beurteilung richtet sich nach den Zuchtzielen der einzelnen Rassen., denn jede hat unterschiedliche, genau festgelegte Merkmale“, erläutert Jensen,  seit 1991 Körkommissarin.

Damit zur Körung möglichst alles rund läuft, geht der Veranstaltung ein sorgfältiges Training der Hengste voraus. „Die eigentliche Vorbereitung beginnt zwei bis drei Monate vorher“, erzählt PSB-Vorstandsmitglied und Shetlandpony-Züchter Hans-Heinrich Ehlers (Bokhorst). „Die Tiere müssen in einem sehr guten Futter- und Trainingszustand und außerdem gut zu händeln sein. Wir gehen mit unseren Ponys beispielsweise viel spazieren, damit sie beim Führen umgänglich sind.“. Neben der Vorstellung an der Hand übe er insbesondere das Freilaufen. „Die Pferde müssen sich in allen Gangarten im Tempo regulieren lassen und auch mal einen Galoppwechsel auf Kommando machen“, so der Züchter.  „Außerdem sollen die Pferde Vertrauen zu ihrem Menschen haben, um im Ernstfall die Ruhe zu behalten. Das Freilaufen ist schließlich das, worauf  wir am wenigsten Einfluss nehmen können“, erklärt der Züchter, der seit 2016 für die Organisation des Schaunachmittags verantwortlich ist.

Ab in den Urlaub!

Der ist, am Sonntag, 12. Februar, und für das Pferdestammbuch von ebenso großer Bedeutung wie die eigentliche Körung. Hier wird, ab 8 Uhr, die gesamte Vielfalt der  Pony- und Pferderassen sowie die Bandbreite ihrer Verwendung gezeigt. Los geht es mit einer Ponyspring-Prüfung, zugleich Qualifikation für das Reitturnier VR Classics am darauffolgenden Wochenende am gleichen Ort. Islandpferdefans kommen ab 11 Uhr auf ihre Kosten: Im Rahmen der Hallentrophy des Islandpferdezucht-und Sportverbandes Nord messen sich die „Pferde aus Feuer und Eis“ in Vier- und Fünfgangprüfungen. Anschließend wird es bunt und fröhlich, denn ab 14 Uhr geht es „Ab in den Urlaub“, so das Motto des Nachmittags, in dessen Rahmen und die Pferde, Züchter und Sportler des Jahres geehrt werden. In 20 Schaubildern entführen rund 350 Mitwirkende mit mehr als 200 Pferden und Ponys in eine faszinierende Urlaubswelt- Zeit zum Abtauchen und Träumen. Gleich mehrere Länder auf einmal gibt es beim Länderquiz der IG Fjord zu entdecken. „Auch die Vorstellung der Schleswiger Kaltblüter wird wieder ein Highlight sein“, kündigt  Ehlers an, dessen Tochter Tanja mit 30 Shettys eine ausgelassene Beachparty feiern wird. Zum ersten Mal in der Schau zu sehen ist das Showteam Mirage Español unter der Leitung von Angela Klee (Scheeßel), das mit einer spanischen Feria für südländisches Flair sorgen wird. Auch Nadine Struckmeyer-Dammann (Bokhorst) ist erstmalig dabei, deren ungewöhnliches Pas de Deux mit viel mehr als nur zwei Pferdestärken die Reise nach Ägypten antritt. Zurück ins alte Rom geht es mit dem Römerwagen von  Karl Heinz Gehrt, der extra aus Dänemark anreist.

Ehlers mutmaßt: „Der Schaunachmittag des Pferdestammbuchs ist wohl die größte Show-Veranstaltung mit ausschließlich ehrenamtlichen Helfern und Akteuren im Bundesgebiet.“

Sicher ist: Über drei Tage werden hier Vierbeiner gezeigt, wie der Markt sie braucht– vielseitig, sportlich, brav und nervenstark. Infos: www.pferdestammbuch-sh.de