Studie beweist: Hippotherapie kann bei MS helfen

Petra Bebensee tut die Hippotherapie auf dem Rücken von Lucky sichtlich gut. Unter Anleitung von Maren Kos-Lübben und Pferdeführer Manfred Lübben hat die Teilnehmerin bereits große Fortschritte gemacht. Foto: ad-Photographie

NÜTZEN. (UBU) Vor vier Jahren nahm Petra Bebensee (59) aus Kaltenkirchen an einer Studie zur Wirksamkeit der Hippotherapie teil. Nun liegt endlich das Ergebnis vor und bestätigt, was schon so häufig vermutet wurde: Die Hippotherapie zeigt positive Wirkung bei MS.

„Die Hippotherapie verbessert signifikant das Gleichgewicht, die schnelle Ermüdbarkeit, die Spastizität und die Lebensqualität bei Patienten mit Multipler Sklerose MS“, heißt es in einer Presseinformation der Willi-Drache-Stiftung. An der Studie teilgenommen haben fünf Therapiehöfe in ganz Deutschland. Einer davon ist der „Hof Eichenhorst“ von Maren Kos-Lübben in Nützen. Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit der Hippotherapie bei MS-Patienten zu untersuchen, um damit zur Aufnahme des therapeutischen Reitens in den Heilmittelkatalog der Gesetzlichen Krankenkassen beizutragen. „Durch die ‚Therapie auf Rezept’ würden wesentlich mehr Patienten als bisher einen Zugang zu dieser Therapiemöglichkeit erhalten“, sagt die Physiotherapeutin mit Spezialisierung für Bobath- und Hippotherapie. Mit den jetzt erlangten Daten wächst die Hoffnung auf eine Neubewertung, die zu einer Kostenübernahme führen soll.

Teilnehmerin Petra Bebensee hat die positiven Auswirkungen am eigenen Leib gespürt. Im Jahr 2000 wurde bei der Kaltenkirchenerin die Diagnose Multiple Sklerose gestellt. Die Krankheit verläuft anfangs in Schüben und geht dann in einen chronischen Zustand über. Petra Bebensee wurde medikamentös mit starken Medikamenten behandelt und sie drohte für immer im Rollstuhl zu landen. „Ich hatte in einer Tageszeitung über die Studie gelesen und es wurden Teilnehmer gesucht“, erzählt die ehemalige Bilanzbuchhalterin. Über drei Monate ging diese weltweit erste Multicenter-Studie, und sie merkte schon sehr bald, dass ihr die Therapie guttat. „Ich freute mich auf das Pferd, darauf, mit Tieren zu arbeiten, und man hat ein Ziel vor Augen“, sagt sie. Sie lernte, dass das dreidimensionale Gangbild des Pferdes auf das Gehirn übertragen wird, „und ich lernte wieder, wie Gehen geht“. Heute kann sie sich mit einer Gehhilfe weitestgehend selbständig fortbewegen, „vorher konnte ich keine 25 Meter mehr gehen“, erinnert sie sich. Weil es ihr so gut getan hat, macht sie nach wie vor zwei Mal wöchentlich die Hippotherapie, die sie zurzeit noch selbst bezahlen muss.