Verantwortlich für die Schleswiger Rappen

Steffi Grundt aus Bebensee weiß die Schönheit der Schleswiger Rappen zu schätzen. Foto: awi

Bebensee. (awi) „Sie sind mir verantwortlich für die Rappen“, lautete der Auftrag, den Jürgen Isenberg kurz vor seinem Tod Mechthild Bening aus Bebensee erteilte. Und diese Mission nimmt die Rinderzüchterin sehr ernst.

Ohne den Pferdenarren vom Gut Kamp gäbe es kein einziges Schleswiger Kaltblutpferd mehr auf der Welt. Und ohne den unermüdlichen Einsatz der erfahrenen Bio-Landwirtin verschwänden wohl bald die wenigen Rappen dieser Rasse. „Zu achtundneunzig Prozent ist der Farbschlag der Schleswiger Fuchs“, erläutert Mechthild Bening. „Von den Rappen gibt es noch elf Tiere“. Zwei Rappstuten leben auf dem kleinen Hof Bening am Neversdorfer See, die elfjährige Blithe vom Bebensee und ihre Tochter, die dreijährige Juno vom Bebensee, deren Großmutter, „Henny“ von Gut Kamp stammt und die ihrererseits Tochter der ersten Rappstute „Conny“ war. Junos Schwester lebt bei der Freundin der Landwirtin, Steffi Grund in Bebensee.

Die Rasse erhalten

Direkt nach Junos Eintragung in das Stammbuch der Schleswiger im Frühjahr hat die Züchterin die Hengstkörung in Neumüster besucht und kam mit dem dreijährigen Schleswigerhengst Bakkeley Janus nach Hause. „Janus selbst ist zwar ein Fuchs, aber per DNA-Untersuchung konnte festgestellt werden, dass dieser Körsieger Rappen zeugen kann“, freut sich die Bebenseerin. Diese speziellen Durchleuchtungen des tierischen Erbguts kennt Mechthild Bening bestens dank der Zuchterfolge mit ihren weißen Galloways vom Bebensee. Hiermit konnte auch ermittelt werden, dass Janus mit einer reinen Rapp-stute für weitere Rappen sorgen kann. Schleswiger Kaltblutstuten werden jedoch ausschließlich im Natursprung gedeckt und so läuft Hengst Janus nun mit den beiden Rappstuten auf der zur Bauernstelle gehörigen Seekoppel.

Früher Arbeitstier, heute Kutschpferd

Das Schleswiger Kaltblut war bis zum zweiten Weltkrieg wichtigstes Arbeitstier der Bauern im Norden; noch in den Fünfziger Jahren zählte das Stammbuch 25.000 Stuten und 450 Hengste. Dann hielten Traktoren Einzug auf den Bauernhöfen und Mitte der 70er-Jahre gab es weltweit nur noch 35 Stuten und einen einzigen Hengst.

Noch heute steht das Schleswiger Kaltblut auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen in Deutschland. Und ohne Jürgen Isenberg, Gut Kamp und Hengst „Odin“ wären diese prächtigen Tiere längst Geschichte.

„Heute arbeiten diese Kaltblüter nicht mehr so, wie es ihr Körper braucht: sie ziehen keinen Pflug mehr, und Harvester haben ihnen ihren Rang als Rückepferde in Wald längst abgelaufen“, beschreibt Pferdeexpertin Wiebke Streichert (27) das Dilemma der sanften Riesen.

Daher sind die Kunden der Züchter heute eher passionierte Kutschenfahrer, die ein leistungsfähiges und ausdauerndes Arbeitspferd zu schätzen wissen, das dabei äußerst unkompliziert und ruhig im Umgang sowie leichtfuttrig und zugleich sehr robust ist. awi