An der Seite von Winnetou stehen

Tanzchoreografin Katelijne Philip-Lebon (vorne) zeigte den Teilnehmern, worauf es ankam. Foto: mtr

BAD SEGEBERG. (MTR) Auf die Chance, vor Tausenden von Menschen auf der Bühne zu stehen, mit Winnetou für die Gerechtigkeit zu kämpfen oder mit fieser Miene den Bösewicht zu unterstützen, hoffen rund 130 Bewerber, die bei der diesjährigen Komparsenauswahl der Karl-May-Spiele ihre Fähigkeiten präsentierten. Für die Inszenierung „Unter Geiern – Der Sohn des Bärenjägers“ am Bad Segeberger Kalkberg werden 35 Statisten benötigt. Bei Tanz und Stunts kamen die Bewerber ordentlich ins Schwitzen. In zwei Wochen erhalten sie eine Nachricht, ob sie im Sommer auf der Bühne stehen dürfen, wenn das Geheimnis der Felsenburg gelüftet wird.

„Mein größter Wunsch würde in Erfüllung gehen“, sagte Lina Rüdiger. „Ich wollte schon immer Schauspielerin werden.“ Die 16-jährige Gymnasiastin hat bereits viel in ihren Traum investiert. An der Hamburger Stage School lernt die Bad Segebergerin Schauspiel, Gesang und Tanz. An der Dahlmannschule war Lina Mitglied der Theater-AG und stand in der Schulaula mit „Krabat“ bereits auf der Bühne. „Ich bin jedes Jahr mindestens zwei Mal bei den Vorstellungen der Karl-May-Spiele.“ Somit stand für die Schülerin nach Vollendung ihres 16. Lebensjahres fest: Wenn es am Kalkberg wieder rund geht, will sie sich bewerben. Früher wäre es nicht möglich gewesen, denn die Mitwirkenden bei den Karl-May-Spielen müssen mindestens 16 Jahre alt sein.

Die Kandidaten mussten drei Stationen durchlaufen. Nach dem obligatorischen Foto und dem Ausfüllen des Bewerberbogens mit einigen persönlichen Angaben ging es zu Tanzchoreographin Katelijne Philips-Lebon, die ihren Ehemann Jean-Marc Lebon vertrat. Die Tanzlehrerin brachte den Anwärtern in Windeseile einige Schritte bei. Hier kam es auf Taktgefühl und schnelles Umsetzen der Anweisungen an.

Rustikaler ging es bei den Stuntproben zu. Stuntkoordinator Dr. Steve Szigeti und sein Team forderten die Bewerber auf, sich gepflegt mit ihnen zu prügeln. K.O.-Schläge waren aber nicht gewünscht. Es ging um das gezielte Schlagen dicht neben das Kinn der Stuntleute. Bei den Schlägen und Tritten sollte die Teilnehmer unter Beweis stellen, dass sie sich in einer gestellten Kampfszene gut koordinieren können. „Es hat Spaß gemacht“, erzählte die 16-jährige Lena Simon aus Negernbötel kurz nach dem Schaukampf.

Nach vorgegebenen Kriterien werden in den nächsten Tagen die Ergebnisse des Castings ausgewertet. Neben genügend Zeit müssen die Statisten vor allem über genügend Fitness verfügen.

„Wir haben hier lang Wege“, erklärte Ute Thienel, Geschäftsführerin der Kalkberg GmbH, bei der Begrüßung. Die Komparsen benötigen eine gute körperliche Verfassung, um Kampfszenen und zahlreiche Fußmärsche auf und hinter der Bühne mehrfach am Tag verkraften zu können. Neben einem vierstelligen Honorar könnten sich die 35 Auserwählten auch über einen weitaus wichtigeren Aspekt freuen. „Sie können ihren Lebenslauf um eine Erfahrung bereichern, die etwas ganz Besonderes ist“, ergänzte Ute Thienel.