Arved Fuchs möchte Mut machen

Herzlich wird Arved Fuchs von dem Extremsegler Boris Herrmann begrüßt, der kürzlich die Klimaaktivistin Greta Thunberg auf der Yacht „Malizia II“ vom südenglischen Plymouth nach New York mitnahm, wo sie beim Klimagipfel während der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprach. Foto: bmd

Bad Bramstedt. Nach fast 16 Monaten und 10.000 Seemeilen machte Arved Fuchs mit seinem Haikutter „Dagmar Aaen“ an der Pier des Hamburger City-Sportboothafens fest.

Die Expedition führte Fuchs an die West- und Ostküste Grönlands, wo er und seine internationale Crew auf die Veränderungen in den Weltmeeren und an den Gletschern aufmerksam machen wollten. Mit an Bord waren junge Wissenschaftler, die sich unterschiedlichen Aufgabenbereichen widmeten. „Das Thema ‚Ocean Change‘ ist seit Jahren das Programm unser Expeditionen“, so Fuchs. „Aber wir wollen auch Mut machen, daher lautet der Untertitel ‚Turn the Page‘“.

Es war die 35. und eine der wohl anspruchsvollsten Expeditionen, die der Bad Bramstedter Arved Fuchs seit 1977 erlebt hat. Gleich zweimal brach im vergangenen Sommer die Zugstange in der hohl gebohrten Schraubenwelle, die den Anstellwinkel der Propellerblätter verändert. Durch diese Brüche, zunächst vor Island, später vor der Westküste Grönlands, war das Schiff manövrierunfähig. „Die Havarie warf uns um mehrere Wochen zurück“, bedauerte Fuchs während der Pressekonferenz im Feuerschiff des Hamburger Hafens. „Dennoch war unsere Expedition in jeder Hinsicht erfolgreich“, betonte Fuchs.

Auf der Hinreise machte sich die Crew mit zahlreichen Projekten regenerativer Energieerzeugung vertraut. Beginnend mit dem Offshorewindpark Butendiek, 30 Meilen vor Sylt, besuchte die Crew einen Onshorewindpark mit einem Batteriespeicher in Torshavn auf den Färöer-Inseln, der bei Windflaute für Netzstabilität sorgt.

Vor Grönland allerdings beschäftigte sich die Crew mit der Verschmutzung des Meerwassers und dem dramatischen Rückgang der Gletscher auf der größten Insel der Welt. Mithilfe eines von Fuchs entwickelten feinmaschigen Gerätes mit der Bezeichnung „Manta Trawl“, das neben dem Schiff hergezogen wird, konnten die Wissenschaftler an Bord vor der Ostküste Grönlands und in der Dänemarkstraße größere Mengen an Mikroplastik kleiner als fünf Millimeter nachweisen. „Es ist dramatisch, welche Mengen von Abfall und Mikroplastik wir in den entlegensten Regionen gefunden haben“, berichtete Wissenschaftlerin Lauren Grüterich. Die Forscherin fand insgesamt 200 Kilogramm Müll auf rund 30.000 Quadratmetern.

Mithilfe mitgeführter Gleitflugdrohnen konnten zwei Wissenschaftler von der BTU Cottbus und der Beuth-Hochschule Berlin die Fließgeschwindigkeit des Knud-Rasmussen-Gletschers und weiterer Gletscher an der Ostküste Grönlands messen. Aufgrund von Vergleichsaufnahmen aus den Jahren 1933 und 2013 belegten die Wissenschaftler den extremen Rückgang des Gletschereises.

„Als traurigen Höhepunkt der Expedition sahen wir die Hinterlassenschaften der berühmten US-Militärbasis ‚Bluie East Two‘, die von den Militärs im Jahre 1947 verlassen wurde“, beschreibt Fuchs. Dort lagern bis zu 190.000 verrostete 200-Liter Fässer – teilweise gefüllt mit Schmierölen und Brennstoffen – sowie zahlreiches verrostetes Militärgerät.

Nach der Pressekonferenz gab es für Arved Fuchs eine besondere Ehrung.

Aus der Hand von Boris Herrmann erhielt Fuchs den „Seadevcon Maritime Arvard“. Der Preis soll jährlich eine Persönlichkeit ehren, deren „Lebenswerk beispielhaft für den Kampf um eine nachhaltige und respektvolle Nutzung der Weltmeere steht“. „Der Klimawandel ist eine Tatsache, dessen Ursachen klar und gut bekannt sind“, erklärte Fuchs in seiner Dankesrede. „Neben natürlichen Fluktuationen sind vor allem die Menschen dafür verantwortlich. Ein ‚Weitermachen wie bisher‘ ist nicht mehr möglich – wir haben zu lange gewartet, es muss etwas passieren“, betonte Fuchs.