Bibliotheken sind lebendige Orte

In der Bücherei wird nicht nur gelesen. 14-tägig treffen sich auch die Teilnehmer des „Offenen Handarbeitcafés“ und tauschen sich bei Handarbeiten aus. Foto: ubu

KALTENKIRCHEN. (UBU) Zum ersten Mal beteiligten sich 50 Bibliotheken in Schleswig-Holstein an der „Nacht der Bibliotheken“, und öffneten am vergangenen Freitag bis 23 Uhr ihre Türen, um neugierig zu machen auf ihr umfangreiches Angebot. Auch die Stadtbücherei Kaltenkirchen bot in den neuen Räume am Grünen Markt ein abwechslungsreiches Programm, dass zum Mitmachen animierte. 

„Gut 340 Besucher hatten wir an diesem Abend“, freute sich Büchereileiterin Kerstin Tröster. Vor allem das gut durchmischte Programm für Kinder lockte viele in die spannende Welt der Bücher. Und es begann auch gleich mit einem Leseevent für die kleinen Besucher. Laura Mann nahm Kinder mit auf „eine Reise im magischen Baumhaus“, auf der die Kinder laut und begeistert mitmachen durften. Im Obergeschoss wurde gebacken, genäht und gebastelt. Am Nähtisch gab Annalena Bauer Tipps und führte in die Bedienung der Nähmaschine ein. „So kommen wir mal zum Nähen, wir sind totale Anfänger und saßen noch nie an einer Nähmaschine“, sagte Stefanie Günther, die mit ihrer Tochter Fiona aus Nützen gekommen war. 

Gut besucht waren auch die beiden Geschichtsvorträge. Historiker Dr. Gerhard Braas erzählte Geschichten „rund um den Grünen Markt vor 100 Jahren“ und unterstrich seinen Vortrag mit alten Fotos. So erfuhren die Zuhörer, dass sich im Gebäude des ehemaligen Restaurants „Hella‘s“, ursprünglich der erste SB-Supermarkt der Stadt befand und dass es in den Gasthäusern auch schon damals politisch motivierte Schlägereien gab und verrückte Vergnügungen, wie den Aalangelwettbewerb. Dabei mussten die Teilnehmer auf einem Fahrrad an einem Wassereimer vorbei fahrend Aale mit der Hand herausholen, was selten gelang. Im Anschluss erfuhren die Besucher, dass 300 Jahre lang jedes Frühjahr gut 10.000 Ochsen durch Kaltenkirchen zogen. In seinem Vortrag über den „Ochsenweg“ beschrieb Hobbyhistoriker Reinhard Bundschuh diese weniger bekannte Route des Ochsenzuges von Dänemark über Zollenspieker in die Niederlande. „Kaki singt“ hieß es im Anschluss mit der Band Soateba, die die Besucher zum Mitsingen animierte. Das offene Handarbeitscafé, das sich seit der Neueröffnung der Stadtbücherei sehr gut etabliert hat, konnte wieder neue Mitglieder begrüßen. Carolin Kibbel und Büchereimitarbeiterin Katja Nielsen hatten die Idee alle 14 Tage ein Treffen von Handarbeitsbegeisterten zu organisieren. „Einfach Wolle, Nadeln, Muster mitbringen, dazusetzen und mitmachen. Das wird sehr gut angenommen, heute sind vier neue Teilnehmerinnen dazugekommen“, freute sich Carolin Kibbel. 

Wer etwas über die Welt der Bienen erfahren wollte, war bei Hobbyimker Hagen Meyer vom Imkerverein „Die Bienenhüter“ genau richtig. Er erklärte, worauf es bei der Imkerei ankommt, was den Imkerhonig so wertvoll macht und was jeder tun kann, um den Bienen die richtigen Nährpflanzen zu bieten. Alexander Czirr (10) ist ein totaler Bienenfan und war auch schon in Eekholt um einiges über Bienen zu erfahren. Er hat auch keine Angst „die stechen mich nicht, solange ich sie nicht ärgere“, sagte der Junge, der gerne Imker werden möchte. Iwona Wachalla war mit Tochter Sophie und deren Freundinnen Lina, Sinje und Elena gekommen. Fasziniert schauten sie Martina Arnold-Wallocha zu, die mit ihrem Spinnrad Wolle spann. „Ich stricke schon lange und wollte wissen, wo meine Wolle herkommt. Daher suchte ich mir Schafhalter, von denen ich die Wolle direkt beziehe“, erklärte sie ihr Hobby.

Eine lebendige und interaktive Lesung bot Laura Mann, die die Kinder auf eine „Reise im magischen Baumhaus“ mitnahm. Foto: ubu