Eine Eisenbahnfahrt durch den heimischen Garten

Burkhardt Göttsche hat sich auf seinem Hof in Fredesdorf mit seiner 85 Jahre alten Freundin „Elsi“ und etlichen anderen Lokomotiven, Traktoren und Lkw ein Männerparadies geschaffen. Foto: awi

Fredesdorf. (AWI) Eine Reportage kann ganz harmlos beginnen. „Willst du mal mein Museum in Fredesdorf sehen?“, kann eine solch harmlose Frage sein. Einem erfahrenen Lokalreporter sollte hingegen klar sein, dass es in Fredesdorf gar kein Museum gibt. Entsprechend fiel die Überraschung aus, am Ende der Dorfstraße in Feldrandlage einen Resthof zu Gesicht zu bekommen, dessen Vorgarten von Eisenbahnschienen durchzogen wird. Keine Spur Null aus dem Modellbau – hier liegen 85 Meter echte Schwellen, Schienen und Schotter tonnenweise sauber verlegt. Darauf thront „Elsi“ mit ihren stattlichen 16 Tonnen Eigengewicht als absoluter Blickfang zwischen zahllosen anderen Sehenswürdigkeiten.

„Hast du etwa keine Eisenbahn? Hast du auch keinen Kran? Das muss ein doofes Leben sein!“, sagt Burkhardt Göttsche, Herr über das Männerparadies. Schon als siebenjähriger Hamburger Jung sprach der kleine Burkhardt zu seiner Mutter: „Wenn ich groß bin, gehören mir ein Stück Deutschland und ein Lkw“, und so kam es dann ja auch. Und um eines gleich vorweg zu nehmen: Die 85-jährige Schönheit springt nach einer für den gespannten Besucher quälend langen Dieselgedenkminute an wie am ersten Tag. Und der Hobby-Lokführer lädt den Gast spontan zu einer Spazierfahrt durch den heimischen Garten ein. Die 1934 ursprünglich mit Benzinmotor bei der Berliner Maschinenbau AG (BMAG) gebaute Lokomotive erwacht schnaufend und rauchend zum Leben. Mit einem lapidaren „So. Geht los!“, startet das Abenteuer.

Blick vom Badezimmer auf die Loks

Doch die heimische Schienenstrecke ist ja nur der Höhepunkt eines Rundgangs durch das Privatmuseum des 59-jährigen TÜV-Ausbilders. Die Hallen des ehemaligen Bauernhofs beherbergen heute unzählige Traktoren, Lastkraftwagen, Lastkräne, Lokomotiven wie „Gertrud“ oder „Jannika“ und die dazugehörigen Ersatzteile wie Motoren, seltene Reifen, Achsen und tausende Einzelteile, die zum Erhalt der vorwiegend aus der Zeit vor 1945 stammenden Exponate unerlässlich sind und noch den letzten Winkel des Anwesens benötigen.

Mittlerweile lebt der gebürtige Hamburger sogar zwischen seinen geliebten Maschinen; er hat sich kurzerhand eine Wohnung in die Halle gebaut. „Vom Badezimmer aus kann ich meine Loks sehen“, freut sich der gut gelaunte Schrauber.

Die Lokomotiven liefen allesamt in der DDR noch im täglichen Fahrbetrieb. Der Zusammenbruch des Warschauer Pakts machte deren Einsatz jedoch ein Ende und so wurden sie ein letztes Mal von Grund auf saniert und in Eisenbahndepots gelagert. Kurz darauf konnte Burkhardt Göttsche diese sofort fahrbereiten Loks abholen und bis heute erhalten. „Eigentlich wollten meine verstorbene Frau und ich nur Modelle der Loks haben“, erinnert sich der Fredesdorfer, „doch 1997 haben wir dann mit Bagger-Kloß aus Leezen allein 400 Kubikmeter Erdreich ausgehoben, um die Schienen zu verlegen“. Heute sind selbst die Zaunpfosten ehemalige Bahnschwellen der Hamburger Hafenbahn; die seien nur gesalzen und nicht in Chemikalien getränkt wie sonstige Bahnschwellen.

Der Bahnhof ist eine gemütliche Grillecke und immer wieder gibt es neue Winkel, die es noch zu erkunden gilt, in Fredesdorfs technischem Privatmuseum.