„Es ist normal, verschieden zu sein“

Sebastian Urbansky von der Bundesvereinigung der Lebenshilfe erntete stehenden Applaus für seine engagiert vorgetragene Rede. Foto: ptl

Kaltenkirchen. (ptl) Eine kleine Spielgruppe für Kinder mit Behinderung bildete im Jahr 1969 den Anfang. Entstanden ist daraus mit rund 200 Beschäftigten für gut 500 Menschen die Lebenshilfe, die nun ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Festakt im vollbesetzten Ratssaal gefeiert hat. Hans-Joachim Hecker, vom ersten Tage an Vorsitzender des Vereins der Lebenshilfe, erinnerte bei der Begrüßung der Gäste an die bescheidenen Anfänge. Vieles habe sich entwickelt, manches bleibe zu tun. „Der Lebenshilfebaum wächst weiter“, betonte der 82-Jährige. 

Vorstandmitglied Kirsten Zeibig wies darauf hin, dass Kinder mit geistiger Behinderung noch in den 1960er-Jahren als bildungsunfähig galten. Eine Beschulung habe keinen Zweck, das sei hinausgeschmissenes Geld, sei zu hören gewesen. „Mir läuft noch heute ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke“, sagte die pensionierte Lehrerin. Eingespielte Fotos zeigten Bilder, die das gelebte Motto der Lebenshilfe anschaulich verdeutlichten: „Es ist normal, verschieden zu sein.“

Nachdem der Ortsverein der Lebenshilfe einen Sonderhort im Jugendheim der evangelischen Kirche und eine Behelfswerkstatt in der Barmstedter Straße eingerichtet hatte, kam bereits 1975 eine heilpädagogische Schule dazu. Daraus entstand ein Jahr später die Janusz-Korczak-Schule, eine Bildungsstätte, die vom Kreis geführt wird. Ihr erster Leiter, der inzwischen pensionierte Hans-Joachim Wolfram, zählte weitere Einrichtungen auf, die folgten. Sie reichten von Wohnheimen und heilpädagogischen Tagesstätten bis zum „Blauen Haus“, dem Zentrum der Lebenshilfe. Auch ein Freizeitclub wurde aufgebaut. 

Längst hatte die Kaltenkirchener Lebenshilfe Ausmaße angenommen, die ehrenamtlich nicht mehr zu bewältigen sind. So wurde 1999 eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet, an deren Spitze Sylvia Fabisch als Geschäftsführerin steht. Sie arbeitet eng mit dem ehrenamtlich geführten Verein und seinem Vorsitzenden Hans-Joachim Hecker zusammen, der auch gleichzeitig Gesellschafter der gGmbH ist. 

Zum Gratulieren in den Ratssaal kamen auch zwei Vertreter der Bundesvereinigung. Sebastian Urbansky, eines ihrer Vorstandsmitglieder, trat ans Rednerpult und sagte: „Ich habe selber ein Down-Syndrom. Ich habe Eltern, die mich überall unterstützen und die stolz auf mich sind.“ Der junge Mann fuhr fort, er wünsche sich, dass Menschen mit Behinderung überall dabei sein könnten. Am Ende betonte er: „Ein Kind mit Down-Syndrom ist keine Katastrophe.“ Mit stehendem Applaus zollten die Gäste dem Redner Beifall.

Straßenfest zum Jubiläum

Am Sonnabend, 25. Mai, feiert die Lebenshilfe Kaltenkirchen ihr Jubiläum bei einem Straßenfest in der Von-Bodelschwingh-Straße. Von 10 bis 17 Uhr ist ein buntes Programm für die ganze Familie geplant. Es gibt einen Kinderflohmarkt, eine Hüpfburg, Kinderschminken und Zauberer sowie Musik. Auch eine Tombola wartet auf die Besucher. Fürs leibliche Wohl gibt es Grillwurst, ein internationales Buffet, Kaffee und Kuchen.