Gegen Wegwerfmentalität und für soziales Engagement

Dagmar und Jürgen Beese freuen sich, dass viele kleine und große Spenden es ermöglichen, Menschen in finanzieller Notlage zu unterstützen. Foto: ptl

Kaltenkirchen. (PTL) „Ich bin so erzogen worden, dass man nichts Essbares einfach wegschmeißt“, sagt Dagmar Beese. Etwas gegen die Mentalität des Überflusses zu tun, war eines der Motive, warum sie 1998 bei der Gründung der Tafel mitmachte. Gefallen hat ihr auch der Gedanke, mit sozialem Engagement anderen Menschen zu helfen. Mittlerweile ist die Kaltenkirchenerin im 21. Jahr die Vorsitzende des Tafel-Vereins.

„Finanzielle Not kann jeden treffen“, sagt Dagmar Beese. Für Abholer reicht es, die Bedürftigkeit nachzuweisen. Manches wird zusätzlich erzählt. Alleinerziehende geraten an ihre finanzielle Grenze, wenn Väter ihrer Zahlungsverpflichtung nicht nachkommen. Mütter verzichten im Interesse der Kinder auf eine berufliche Karriere – und später reicht die Rente nicht. „Es gibt viele Gründe für ein schmales Budget.“ Obwohl ihr Ehrenamt längst zum unentgeltlichen Teilzeitjob geworden ist, stellt die 75-Jährige zufrieden fest: „Man bekommt auch viel zurück.“

Von rund 150 Abholern werden mit den Familienangehörigen gut 500 Personen über die Tafel versorgt. Dagmar Beese betont: „Das geht nur im Team.“ Knapp 50 Aktive zählen dazu. 30 davon sind regelmäßig im Einsatz. Amüsiert weist die frühere Apothekerin auf die bescheidenen Anfänge hin: „Mit Privatautos holten wir die Sachen zusammen. Als Lager diente eine Garage.“ Längst hat alles ganz andere Dimensionen angenommen. Zwei Autos gehören dem Verein, eines davon ist ein Kühlfahrzeug.

Von Anfang an hilft auch Jürgen Beese mit, der Ehemann. „Ich bin Mädchen für alles“, sagt er. Ob Discounter anfahren, wenn ein Fahrer ausgefallen ist, ob Kisten schleppen und Ware einsortieren oder Listen führen, der 73-Jährige, der einst als Industriemeister sein Geld verdiente, packt überall mit an. Auch Verwaltungsaufgaben sind zu bewältigen. Dabei verweist er auf ein „selbst gestricktes“ Computerprogramm, bei dessen Entwicklung er kräftig mitwirkte, und das hilft, die mit dem Ehrenamt verbundene Arbeit zu erleichtern.

Nachdem die Tafel zunächst in kirchlichen Räumen in der Kieler Straße und später im Funkenberg untergebracht war, hat sie seit rund zehn Jahren ihr Domizil in der Werner-von-Siemens-Straße 6. Bei handwerklichen Arbeiten ist Jürgen Beese in seinem Element, zuletzt, als ein Warteraum eingerichtet wurde und gefliest werden musste. Abgelehnt hat der Ruheständler es lediglich, einen Posten im Vorstand zu übernehmen. Die mit einer Vereinsführung verbundene Verantwortung reicht dem Ehepaar. Der Senior hat dabei seine Frau nicht einfach nur gewähren lassen, er hat sie zudem stets kräftig unterstützt.

Bleibt noch genug Zeit für Hobbys, wenn das Ehrenamt wöchentlich zwischen 15 und 25 Stunden in Anspruch nimmt? Eher nicht. Sie schwimmt und liest gerne. Er ist Modellbauer. Einen Tag in der Woche reserviert er zusätzlich, um im Hamburger Hafen zu helfen, den ehemaligen Stückgutfrachter MS Bleichen zu restaurieren. Beide sind sich einig, bei der Tafel kürzertreten zu wollen. Dagmar Beese arbeitet sogar daran, den Vorsitz einem jüngeren Vereinsmitglied zu übergeben.