Gemeinsam Mut machen

Andrea Roosch aus Bremen, Peter Kraus aus Frankfurt a.M., Eva aus Köln, Maria Müller aus Stuttgart und Sunita Schwarz aus Schaumburg (v.li.n.re.) legten am Bleeck eine Pause ein. Foto: pet

BAD BRAMSTEDT. „Wir sind gemeinsam unterwegs für neue Perspektiven im Umgang mit Depressionen“, erklärten die sechs Teilnehmer der Mut-Tour, die in Itzehoe die Nacht verbracht hatten und am Bleeck eine Pause einlegten, bevor es für sie mit ihren auffälligen drei Tandems weiterging nach Bad Segeberg. Am 27. Juli waren die fünf Frauen und ein Mann in Osnabrück gestartet, um am Ende der Radtour in Lübeck anzukommen. „Dann werden die Tandems an die nächsten Teilnehmer übergeben“, so Maria Müller (50) aus Stuttgart, die selbst erfahren musste, wie sich eine Depression anfühlt, und genauso wie die anderen Teilnehmer das Gespräch mit anderen Menschen sucht, denen sie unterwegs begegnet. „Es ist so wichtig, klarzustellen, dass es sich bei einer Depression um eine ernst zu nehmende Erkrankung handelt. Viele Menschen wissen nichts oder nur wenig darüber, und groß ist die Dunkelziffer von Erkrankten, die glauben, mit ihrem Problem allein klarkommen zu müssen. Richtig ist der Weg zum Arzt, der sich um die Behandlung kümmert und bei Bedarf zu Fachleuten und Spezialisten überweist“. Auch die 20-jährige Eva, die an einer Depression leidet, weiß um die Stigmatisierung, unter der man im Zusammenhang mit einer solchen Erkrankung leiden muss. „Ich möchte gern eine Ausbildung machen und arbeiten, wenn es mir wieder besser geht“, so die junge Kölnerin, die sich bei Fototerminen grundsätzlich einen Smiley vors Gesicht hält und ihren Nachnamen nicht preisgibt, weil sie fürchtet, dass ein potentieller Arbeitgeber sie erkennen könnte. Übernachtet wird meist im Freien; Isomatte, Schlafsack und Zelte sind immer mit dabei. Bei schlechtem Wetter nehmen die „Mut-Macher“ auch gern unentgeltliche Angebote zum Übernachten in Kliniken, Walddorf-Kindergärten oder kirchlichen Einrichtungen wahr. Über drei Monate läuft die Mut-Tour, die für Gemeinschaft, Bewegung, Natur und Öffentlichkeitsarbeit steht und von mehreren Sponsoren unterstützt wird. Im Rahmen der Mut-Tour setzen sich bundesweit Menschen für weniger Angst und Scham im Umgang mit psychischen Erkrankungen ein. Seit 2012 haben 241 Teilnehmer per Tandem und zu Fuß 30.700 Kilometer zurückgelegt und mehr als 2.600 ermutigende Zeitungsartikel sowie Online-, Radio und TV-Veröffentlichungen zu dem Projekt und seinem Anliegen auf den Weg gebracht.

Weitere Infos gibt es unter www.mut-tour.de/mach-mit