Im Aktionsmonat Mai die Natur erleben

Stephan Diephaus (v.li.n.re.), Filialleiter BB SK Südholstein für die Sparkassen, mit einemBartkauz auf der Hand; Anne Benett-Sturries, Leiterin Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume BNUR, mit Uhu; Ute Kröger, Wildpark Eekholt, mit Uhu; Eike Gärtner, Jägerin, Exkursionsleiterin, mit Schleiereule, präsentierten das Programm zum Aktionsmonat Naturerlebnis im Wildpark Eekholt. Foto: ro

Großenaspe. (ro) „Es fehlt an Wissen, was es vor der eigenen Tür gibt“, und es fehle an Mut, das zu erkunden, das hat Eike Gärtner beobachtet. Sich in der Natur bewegen, das ist für viele Menschen nichts Alltägliches oder gar Unumgängliches mehr. „Die Leute sind vielfach verunsichert: ‚Was darf ich?‘“, sagt die Jägerin. Eigentlich hat sie nichts Besonderes vor; sich „aufmachen ohne Ziel“, unterwegs „stehen bleiben, hier und da gucken“, und das alles in bekannter Umgebung gleich vor der Haustür. Klingt wie ein simpler Spaziergang, die Jägerin Gärtner nennt es „Reviergang“.

Aber es ist als Exkursion verzeichnet im Veranstaltungskalender „Aktionsmonat Naturerlebnis“. 

„Es fehlt der Anlass, der Kick“, den will Anne Benett-Sturies den Schleswig-Holsteinern geben. Sie ist Leiterin des Bildungszentrums für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes (BNUR) und Chef-Organisatorin des Aktionsmonats.

Den ganzen Mai über werden im Land mehr als 700 Veranstaltungen mit Naturbezug stattfinden; die meisten von ihnen sind geführte Exkursionen, wie sie auch Eike Gärtner im Kreis Segeberg anbietet. Der Wildpark Eekholt ist mit einem Eulentag dabei, das Fledermauszentrum Noctalis macht mit, und der Nabu. Es geht um den Wolf und um Laubfrösche, Orchideen, Moor und Heide und viel mehr. Für den Kreis Segeberg wurde das Programm am Mittwoch im Wildpark Eekholt präsentiert.

„Die Natur vor der eigenen Haustür erleben“ nennt Benett-Sturies als Motto des Aktionsmonats. Sie will möglichst vielen Menschen „das kleine Erlebnis“ nahebringen; zum Beispiel, wie wichtig Brennnesseln als Raupenfutter für Schmetterlinge sind. „Und wie gut sie schmecken“, ergänzt die Jägerin Eike Gärtner, die auch Touren anbietet unter dem Titel: „Gesund ernährt und fit – mit Grünzeug aus der Natur“. Dabei ist das größte Problem gar nicht, die giftigen von den genießbaren Pflanzen zu unterscheiden, sagt die Weddelbrookerin; schwieriger sei die Frage: „Wo kann ich sammeln, ohne dass es hunde-, gülle- oder pestizidbelastet ist?“

Partner des BNUR beim Aktionsmonat sind die Stiftung Naturschutz und der Vhs-Landesverband. Die Volkshochschulen organisieren Veranstaltungen, die Stiftung öffnet ihre Flächen für Exkursionen. Als finanzieller Förderer sind die Sparkassen im Boot. „Die Leute ’raus in die Natur bekommen“ nennt Stephan Diephaus, für die Sparkasse Südholstein Filialleiter in Bad Bramstedt, als Motiv. „Die Digitalisierung hat viel Gutes“, findet er, aber sie habe auch ihre negativen Seiten – gegen die wollten die Sparkassen arbeiten.

Eike Gärtner bezieht Smartphones sogar in ihre Führungen mit Jugendlichen ein. Junge Leute nutzten die Geräte vor allem, um sich zu vernetzen – „in der Natur ist es nichts anderes“, Bäume verschiedener Arten seien untereinander vernetzt und kommunizierten. Auf diese Weise erreiche sie Gesprächsbereitschaft bei Jugendlichen darüber, „was einem gut tut“ – zum Beispiel, das Handy mal wegzulegen.

Mehr als 300 der gut 700 Veranstaltungen richten sich speziell an Kitas und Schulen. Diese kostenlose Exkursionen bilden seit 2014 einen Schwerpunkt der Aktionsmonate. Deren erster fand 2006 statt, damals noch als Veranstaltungswoche mit 72 Programmpunkten. Im vergangenen Jahr nahmen landesweit mehr als 10.000 Menschen an den Veranstaltungen im Aktionsmonat statt.

Die Veranstaltungskalender liegen unter anderem in Sparkassen und Volkshochschulen aus; im Internet finden sich Informationen unter www.aktion-naturerlebnis.de