Kunst im alten Gasthof

Ina Marie Weber und Patrice E. Landgrebe wollen aus dem ehemaligen Gasthof Tode in Hartenholm das Kulturhaus Boon für Kunst und Inklusion machen. Foto: pa

HARTENHOLM. Bis in die 1980er-Jahre gab es in Hartenholm drei Gaststätten mit einem Saalbetrieb. Nachdem nun auch die letzte ihre Pforten geschlossen hat, stehen für größere Veranstaltungen nur noch Gemeindeeinrichtungen wie Dorfhaus oder Schule zur Verfügung. Das könnte sich ändern, denn der Hasenmoorer Verein K.206 möchte den ehemaligen Gasthof Tode an der Ecke der Dorfstraße zu neuem Leben erwecken.

Das alte rote Backsteingebäude mit Saal direkt an der Lindeloh neben dem Park des Waldgutes sei aus ihrer Sicht hervorragend geeignet, um ein Kulturhaus zu werden, so Ina Marie Weber (36) und ihr Partner Patrice E. Landgrebe aus Hasenmoor. 

Die beiden Sozialarbeiter bilden zusammen mit Lutz Lambrecht aus Hartenholm den Vorstand des Vereins K.206 für Kunst, Kultur und Inklusion. Der alte Charme des alten Gasthofes mit rund 500 Quadratmetern soll wieder zum Vorschein kommen, in den Räumen soll 24 Stunden am Tag Leben herrschen. Denn nicht nur Veranstaltungen, Workshops oder Filmabende sollen angeboten werden. Es werden in dem Haus in zwei kleineren Wohnungen und vier Zimmern Menschen leben, die für ihr Leben eine Eingliederungshilfe durch Pädagogen benötigen.

Das Paar hat vor fünf Jahren ein inklusives Kunst- und Kulturprojekt auf dem Hof am Hegebuchenbusch übernommen, das Ina Marie Webers Eltern über Jahrzehnte aufgebaut hatte. Die Sozialarbeiterin ist auch Grafikerin und Kunstpädagogin. Patrice E. Landgrebe (40) hat zudem Philosophie studiert und ist Zirkuspädagoge. „Wir bieten in unserem Kvartier minne-colson ein niedrigschwelliges Angebot, um Begegnung in Sachen Kunst und Kultur zu vermitteln.“ Dazu eingeladen sind Jung und Alt, alle sozialen Schichten, Menschen aus allen Kulturen, mit oder ohne Beeinträchtigungen. 

Die ersten Handwerker haben ihre Arbeit aufgenommen. „Rund zwei Jahre rechnen wir, bis das alte Gebäude saniert ist“, sagt Ina Marie Weber. Dabei soll die Optik an die Entstehungszeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts angepasst werden. Mit Musik- und Tanzabenden, Vhs-Kursen, Vorträgen oder Repair-Café soll das Kulturhaus Boon zu einem Zentrum für Menschen aus der Region werden. Beim Namen Boon handelt es sich um den belgischen Schriftsteller Louis Paul Boon, den beide sehr schätzen. Bereits Ende Juli soll der erste Mitarbeiter des Vereins in provisorische Räume einziehen. Der Musiker und Dichter Martin Temme aus Köln soll das Gesamtprojekt mit aufbauen und leiten. Für den September ist ein Baupicknick im Filmclub und ein Informationsabend geplant.

Die Eingliederungshilfe des Kreises finanziert die Arbeit mit den Bewohnern in dann zwei Häusern. Den Rest der Investition, deren Höhe nicht genannt wurde, muss der Verein aufbringen. „Wir werden viel Eigenleistung bringen und freuen uns über jede Hand, die mithelfen möchte“, betont Ina Marie Weber. Auch wären sie und ihr Partner glücklich, wenn sich weitere Menschen dem kleinen Verein anschließen würden. Mit Blick auf das Großprojekt und die überschaubare Zahl an Mitstreitern sagen sie: „Für Visionen braucht man Raum. Da kann man nicht klein anfangen.“