Sprayen will gelernt sein

Rebekka Reithinger (13, vorne ) aus Bad Segeberg und Hannes Marten (14, hinten) aus Sievershütten gefiel es sehr gut beim Graffiti-Projekt. Foto: mtr

ALTENGÖRS. Farbenfroh und fantasievoll war der Auftakt der Sommerferien für 13 Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren. Die jungen Graffitikünstler lernten bei einem Projekt des Vereins für Jugend- und Kulturarbeit des Kreises Segeberg (VJKA) an fünf Tagen den sachgemäßen und kreativen Umgang mit Spraydosen. Das Endprodukt, ein großes Kunstwerk mit knalligen Farben, ist seit letzter Woche auf der zur Verfügung gestellten Außenwand in der Bahnhofstraße in Altengörs zu bestaunen. „Graffiti ist eine freie Kunstform“, erklärt Projektleiter Leeroy Sass. Der 26-Jährige aus Bad Oldesloe wollte den jungen Künstlern nicht zu viele Vorgaben machen „Es gibt sehr viele verschiedene Stile.“ Für ihn sei ein Graffiti dann gut, wenn es ordentlich gemalt sei. 

Alle notwendigen Techniken für ein gutes Graffiti versuchte Leeroy Sass den Jugendlichen beim Graffiti-Workshop zu vermitteln. Der richtige Abstand zur Wand sei dabei entscheidend. Bei einem langen Strich müsse die Bewegung aus dem Arm und dem ganzen Körper kommen. Die Teilnehmer lernten, wie sie eine Fläche richtig ausmalen und besondere Akzente in ihre Bilder bringen können. Mit Mundschutz und den richtigen Sprühaufsätzen, den so genannten Caps, konnten sich die Sprayer an der Wand austoben.

„Ich habe bereits vor zwei Jahren bei einem ähnlichen Projekt mitgemacht“, erzählte Rebekka Reithinger. Die 13-jährige Gymnasiastin war hellauf begeistert, wieder zu Spraydose und Atemmaske greifen zu dürfen. „Mir hat alles sehr gut gefallen“, sagte die Teilnehmerin aus Bad Segeberg. „Es macht einfach Spaß, Skizzen zu entwerfen und dann die Idee an die Wand zu bringen.“ Hannes Marten stimmte zu: „Ich fand Graffiti schon immer schön. Man kann sehr viel ausprobieren“, erklärte der 14-Jährige aus Sievershütten. „Der Kursus ist sehr informativ. Ich habe sehr viel gelernt.“

Die reine Freude verspürten die jungen Graffitikünstler aber nicht von Anfang an. „Die Teilnehmer mussten lernen, mit Misserfolgen umzugehen“, erläuterte Antje Wilkening. Ein schönes Bild kann durch einen falschen Strich ganz schnell zum Reinfall werden. „Hier ist Frustrationstoleranz gefragt.“ Die ausgebildete Pädagogin berät den VJKA im Bereich Kunst und hat sich zusammen mit VJKA-Mitarbeiterin Katrin Krüger um die Organisation des Projektes gekümmert. Über einen privaten Kontakt konnte die Firma „Fenster Felix“ aus Altengörs zur Mitarbeit gewonnen werden. Inhaber Marco Molt stellte eine Außenwand einer Lagerhalle für das Kunstprojekt zur Verfügung. Die Firma „Das Malerteam“ mit Sitz in Wittenborn spendete die Farben. „Wir sind den beiden Firmen für die Unterstützung sehr dankbar“, hob Antje Wilkening hervor. Flächen, auf den legal Graffiti gesprayt werden darf, sind rar. „In der Jugendakademie hätten wir ältere Graffiti übermalen müssen.“ Mit der Halle bei „Fenster Felix“ hat der VJKA eine Lösung gefunden, von der auch in Zukunft profitiert werden kann. Die Zusammenarbeit soll fortgeführt werden.

Antje Wilkening freute sich über die Beharrlichkeit der Teilnehmer. „Man braucht viel Disziplin“, unterstrich die Bad Segebergerin. Bis zum fertigen Bild war es meist ein langer Weg, bei dem viele nützliche Erfahrungen gemacht wurden. „Neben dem Umgang mit Formen und Farben verbessern sie ihre motorischen Fähigkeiten.“

„Das Projekt soll auch in den nächsten Jahren angeboten werden“, hofft Katrin Krüger, sofern genug Nachfrage bestehe. 

Wer sich bereits jetzt über zukünftige Angebote informieren möchte, kann sich auf der Homepage der Jugendakademie unter www.vjka.de schlau machen.