Vom Volkslied bis zum Musical-Hit

Kisdorf. (pa) Als vor 100 Jahren, direkt nach dem verlorenen Weltkrieg, Hauptlehrer Karl Kabel den Chor-Verein Kisdorf initiierte, lautete das Motto: „Das mag beste Musik sein, wenn Herz und Mund stimmen überein“. Erster Vorsitzender des neuen Gesangvereines war Rudolf Biehl, auch Damen gab es bereits im Vorstand. Das gepflegte Liedgut bestand überwiegend aus Volksliedern. Zum großen Jubiläum des Chor-Vereins besteht das Repertoire der 60 Sängern aus rund 600 Titeln. Eine erste Festveranstaltung findet am Sonnabend, 15. Juni, ab 15 Uhr mit viel Gesang im Margarethenhoff statt. Am Sonnabend, 28. September, wird zum Jubiläum zudem in der Michaeliskirche Kaltenkirchen das Oratorium „Die Schöpfung“ von Haydn mit Orchester und Solisten aufgeführt. 

Wenn es einen Chor 100 Jahre gibt, dann ist ein Mitglied, das schon mehr als 65 Jahre dabei ist, eine Besonderheit. Käthe Franke aus Kisdorf ging nach der Wiedergründung des Chores 1947 als junges Mädchen Anfang der 1950er-Jahre in den angegliederten Kinderchor. Nach den ersten Auftritten mit Gesang und Singspielen stand für die Sopranistin fest, dass das Singen mit Gleichgesinnten ihr Hobby werden würde. Das war eine gute Entscheidung, denn noch heute schwärmt die mittlerweile 80-Jährige von den Sängerfesten mit Umzügen, Bällen und den vielen Geselligkeiten im Verein. Gemütliche Abende haben die Sänger gefeiert mit Tanz und Gesangseinlagen in Kostümen. Ausfahrten wurden unternommen, viele jahrzehntelange Freundschaften entstanden. Heute kämen von 60 Sängern noch ein Drittel aus Kisdorf. 

Geleitet wird der Chor-Verein seit 1999 vom jetzt 41-jährigen Hans Thiemann. Beruflich ist der heutige Studienrat für Musik und Latein am Friedrich-Ebert-Gymnasium in Hamburg der musikalische Leiter der Oberstufe. Zudem leitet er seit 1997 die Big Band Domino in Hamburg. 

Schon lange sind die Kisdorfer kein „Dorfchor“ mehr. Mittlerweile kann der Chor aus seinem Repertoire passend zu vielen Gelegenheiten sein Programm zusammenstellen. Musical, Operette, Oldies, Gospel sowie nationale und internationale Folklore werden dargeboten. 

Käthe Franke freut sich auf das bevorstehende Jubiläum. „Und es gibt es noch weitere Sänger, die auch über 80 Jahre alt sind“, erklärt sie als Hinweis darauf, dass Singen Gymnastik für die Seele ist und bekanntlich gesundheitsfördernd sei.